Schlagzeilen
Aktuelles aus unserer Pfarre

Unsere Pfarre
Rundgang durch die Pfarre

Das Team
Pfarrer und sein Team

Minis
Unsere Ministranten

Termine
Termine und Gottesdienstzeiten

Wochenzettel
u.a. Listen - online

Impressum
Unsere Redaktion

Links

Home
Pfarrchronik Großrußbach
© PfarreDie Entstehung der Pfarre GR

Die Pfarre Großrußbach dürfte um die Mitte des 11. Jahrhunderts als großräumige Mutterpfarre gegründet worden sein. Patron unserer Pfarrkirche ist der hl. Valentin. Der Dom in Passau ist dem hl. Stephanus geweiht. Patron dieser bayerischen Diözese, deren flächenmäßig größter Teil im heutigen Nieder- und Oberösterreich lag, wurde allerdings der hl. Valentin.

Valentin war zur Zeit der Völkerwanderungswirren ein eifriger Missionar und Wanderbischof. In der Zeit vor 450 hatte er sich sehr bemüht, die Bewohner der nachrömischen Stadt Batavis (später Passau) zu christianisieren. Er konnte den Irrglauben (Arianismus) und das Heidentum jedoch nicht bezwingen. Schließlich wurde er mißhandelt und vertrieben. Er zog sich in die entlegenen Alpentäler Tirols zurück, wo er an einem 7. Jänner um 470 in Mais bei Meran im Ruf der Heiligkeit verstarb und zunächst auch dort bestattet wurde. Später kamen seine Gebeine nach Trient und von dort nach Passau, wo sie seit ca. 770 im neu errichteten Dom ihre letzte Bleibe fanden. Durch die Ähnlichkeit seines Namens mit dem Wort "fallen" wurde Valentin der himmlische Helfer der Fallsüchtigen, Geistesgestörten und der Krüppel (Valentin = fall nit hin!). Er wird meist mit den bischöflichen Insignien und einem Epileptiker zu Füßen dargestellt.Zwei Umstände deuten darauf hin, daß die Pfarre Großrußbach nicht direkt von den Passauer Bischöfen, sondern von einem bayerischen Adeligen, der wohl gute Beziehungen zu Passau hatte, gegründet wurde. Zum einen ist der Kirchenpatron nicht der hl. Stephanus - wie bei vielen anderen direkt von Passau gegründeten Kirchen (z. B. Stephansdom zu Wien) - sondern der hl. Valentin. Zum anderen bekam der Passauer Bischof erst durch den Greifensteiner Vertrag von 1135 die Zehentrechte in Großrußbach.

Die Entstehung der Pfarre ist sehr eng mit der Geschichte der Babenbergermark verbunden. Als unter Kaiser Heinrich III. 1043 die Ungarn besiegt wurden, stand das Gebiet bis zur March beziehungsweise bis zur Leitha wieder für bayerische Besiedlung offen. Hier im Osten wurde wohl vorübergehend eine neue Mark, die sogenannte Ungarnmark errichtet. Diese wurde aber schon bald der Mark der Babenberger einverleibt. So waren also erst ab 1043 die politischen Voraussetzungen gegeben, das Gebiet im heutigen Weinviertel pfarrlich zu organisieren. Das Modell, das damals gewählt wurde, war das der Großpfarre, die in der Regel am westlichen Rand des Pfarrgebietes lag. Dies trifft auch auf Großrußbach zu. Die Vikariate die seelsorglich von der Mutterpfarre abhängig waren, und die sich ab dem 13. Jahrhundert herausgebildet hatten, lagen fast alle im Osten: Auerstal, Bad Pirawarth, Bockfließ, Großschweinbarth, Herrnleis, Ladendorf, Matzen, Niederleis, Pellendorf, Reichental, Ritzendorf, Weinsteig und Wolfpassing.

Die älteste urkundliche Erwähnung von Großrußbach findet sich im sogenannten Greifensteiner Zehentvertrag aus dem Jahr 1135. Aus diesem Dokument, das im Stiftsarchiv von Klosterneuburg aufbewahrt wird, geht hervor, daß Markgraf Leopold III., der Heilige, in einem Ausgleich mit Bischof Reginmar von Passau auf die Zehenten von 13 Eigenpfarren, unter denen sich auch unsere Pfarre befindet, verzichtet. Er übergibt sie dem Bischof von Passau. Die Hintergründe dieser Urkunde, die Bischof Reginmar ausstellte, sind bis heute nicht restlos geklärt. Auf jeden Fall bedeutet sie die Anerkennung der bischöflichen Rechte durch Markgraf Leopold III., vielleicht sogar dessen Verzicht auf eine durch das Eigenkirchenrecht gestützte Kirchenpolitik. Am Ende des Investiturstreites geht es offensichtlich darum, dem Kirchenrecht Genüge zu tun und die Oberhoheit des Passauer Bischofs wieder sicherzustellen. In Wirklichkeit aber hatte sich damit nicht viel geändert. Das beweist die enge Verbindung zwischen Großrußbach und dem Landesfürsten. So besetzte man die freigewordene Pfarre immer wieder mit hohen landesfürstlichen Beamten. Diese landesfürstlichen Kanzleibeamten waren alle Geistliche und wurden durch die reich dotierte Pfarrpfründe besoldet. Ab dem 13. Jahrhundert war Großrußbach die wirtschaftlich am besten ausgestattete Pfarre des niederösterreichischen Teils der Diözese Passau, zu der Großrußbach bis 1785 gehörte. Dieser Umstand führte dazu, daß die Pfarre über Vorschlag des Landesfürsten meist an einen seiner wichtigsten Mitarbeiter verliehen wurde. So wird 1201 ein Konrad von Großrußbach genannt. Er bekleidete das Amt eines herzoglichen Notars und soll im Auftrag des Bischofs Wolfger von Passau das Nibelungenlied in der deutschen Fassung geschrieben haben. Leopold von Sachsengang verzichtete sogar auf die Pfarre St. Stephan in Wien und ließ sich 1365 als Pfarrer von Großrußbach investieren. Ihm folgte1367-1381 Berthold von Wehingen, Domherr zu Passau, danach Bischof von Freising (1381-1410) und Erzbischof von Salzburg (1404-1406). Auch der berühmte Wiener Bischof der Gegenreformationszeit, Kardinal Melchior Klesl, war von 1615 bis 1630 Pfarrer von Großrußbach. Obwohl alle diese bedeutenden Kirchenmänner offiziell Pfarrer waren, hielten sie sich in der Regel nicht in Großrußbach auf, sondern übertrugen die Seelsorge den von ihnen bestellten Vikaren. Diese Priester waren meist miserabel ausgebildet und bezahlt. Auch die moralische Eignung muß wohl in den meisten Fällen in Frage gestellt werden. Man kann sich also vorstellen, daß es um die Seelsorge im ausgehenden Mittelalter äußerst schlecht bestellt war! Gewiß waren diese Mißstände ausschlaggebend dafür, daß Kaiser Ferdinand I. 1560 viele Filialen aus dem riesigen Pfarrverband ausgliedern und zu selbstständigen Pfarren erheben ließ. Seit 1560 besteht die Pfarre Großrußbach nur noch aus den Ortschaften Großrußbach, Hipples, Hornsburg, Ritzendorf, Wetzleinsdorf, Kleinebersdorf und Oberkreuzstetten. Als letzte Filiale von Großrußbach wurde Oberkreuzstetten 1949 zur selbstständigen Pfarre erhoben.

Das Reformkonzil von Trient (1545-1563) bestand auch auf die Residenzpflicht für die Geistlichen. Dies bedeutete, daß die Priester von nun an in der Pfarre zu wohnen hatten. Wie schwer es allerdings war, die Reformen in die Praxis umzusetzen, beweist der Umstand, daß es auch nach diesen Bestimmungen immer wieder zur Pfarrbesetzung durch hohe Geistliche kam, die ihren Arbeitsplatz in Wien oder anderswo hatten. Kardinal Melchior Klesl (1598-1630 Bischof von Wien) etwa war 1615 am Höhepunkt seiner Macht und seines Einflusses auf Kaiser Matthias I. Da Großrußbach dem Patronat des Landesfürsten unterstand, war es für ihn ein Leichtes, sich diese einträgliche Pfarre zu sichern. Man konnte das auch damit rechtfertigen, daß damit Klesl die materiellen Voraussetzungen geboten wurden, sein erfolgreiches Wirken im Dienste der Katholischen Gegenreformation als Bischof von Wien und Wiener Neustadt fortzusetzen. Das Bistum Wien war ja notorisch arm. Da standen eben kirchenpolitische Interessen den seelsorglichen Reformen immer noch im Weg und verzögerten diese. Es braucht in der Kirche oft eine sehr lange Zeit, bis Reformen in die Praxis umgesetzt werden und zu greifen beginnen! Die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) ging nicht spurlos an Großrußbach vorüber. Zunächst brach 1623 - während der Vorbereitung zum Karfreitagsmarkt - im Dorf ein Feuer aus, das auch den Pfarrhof und die Kirche verwüstete. 1645 fiel der Schwedische General Leonhard Torstenson mit seinen Truppen in unserer Gegend ein. Die Burg Kreuzenstein wurde zerstört und Korneuburg eingenommen. Die noch heute gut erhaltenen Erdhöhlen und ausgedehnten unterirdischen Stollenanlagen in unmittelbarer Nähe des Ortes waren Zufluchtstätten für die verängstigte Bevölkerung. Eintragungen im Sterbebuch des Jahres 1645 weisen nicht nur darauf hin, daß Hunderte Menschen in unseren Ortschaften ums Leben kamen, sondern daß auch ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung vor der mordenden schwedischen Soldateska über die Donau nach Klosterneuburg flüchtete. Als im 18. Jahrhundert die Pfarre Großrußbach einige Zeit unbesetzt geblieben war, befahl Kaiser Karl VI. als Lehensträger, daß die nach wie vor reichen Einkünfte der Pfarre zur Erbauung eines Gefangenenhauses in Wien zu verwenden wären. Als es 1723 zur Erhebung des Bistums Wien zum Erzbistum kam, wollte man die reich dotierte Pfarre dem nach wie vor armen Erzbischof von Wien, Sigismund Graf Kollonitz (1716-1751; 1727 zum Kardinal ernannt), inkorporieren. Völlig überraschend wurde jedoch die Pfarre nicht dem Wiener, sondern dem Wiener Neustädter Oberhirten zugewiesen. 1723 wurde Johann Moritz Gustav Graf von Manderscheid-Blankenheim und Geroldstein als Pfarrer von Großrußbach installiert. Er war von 1722 bis 1734 Bischof von Wiener Neustadt. 1733 wurde er zum Fürsterzbischof von Prag ernannt. Ihm folgte 1734 Franz Anton Mayer, der den Westtrakt des Pfarrhofes 1739 erneuern ließ. 1785 wurde die Pfarre durch die Diözesanregulierung Kaiser Josephs II. aus der Diözese Passau ausgegliedert und der Erzdiözese Wien zugeteilt. Schon 1751 hatte Kaiserin Maria Theresia mit Zustimmung Papst Benedikts XIV. die Pfründe "auf ewig" in das Collegium nobilum Theresianum einverleibt. Diese von der Kaiserin ins Leben gerufene Akademie sollte die wichtigste Bildungsstätte für die Staatsbeamten des Vielvölkerreiches werden. Sie unterstand den Jesuiten und fand in der ehemaligen Sommerresidenz der Habsburger, in der Favorita, im heutigen 4. Wiener Gemeindebezirk, ihre Unterkunft. Durch diesen Gütereinzug Maria Theresias verlor die Pfarre mit einem Schlag all ihre Besitzungen. 1755 erfolgte dann die Übergabe an den damaligen Rektor des Theresianums, Matthias Pock, der dem Jesuitenorden angehörte. Nach der Aufhebung des Ordens im Jahr 1776 wurde die Stiftsherrschaft von Großrußbach dem staatlichen Studienfond zugewiesen und kam schließlich 1812 wieder an die Theresianische Ritterakademie. 1894 gelangte Gut und Schloß Großrußbach durch Verkauf in private Hände. Da die Ehe des letzten Besitzers, Ministerialrat Lothar von Pfisterer-Auhof, kinderlos geblieben war, übergab dieser das Gut Großrußbach mittels Schenkungsvertrag vom 26. September 1945 an das Erzbistum Wien. Der neue Patronatsherr der Pfarre war nun bis zur Ablöse des Patronats im Jahr 1983 der Erzbischof von Wien. Deshalb befindet sich in der Pfarrkirche auch ein buntes Glasfenster, das an den letzten Patronatsherrn, Franz Kardinal König (1956-1985 Erzbischof von Wien), erinnert. Es zeigt sein Bischofswappen und wurde 1964 als Apsisfenster hinter dem Hochaltar angebracht.

Ab 1931 bis zum Anschluß Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 fanden in Großrußbach regelmäßig Passionsspiele statt. Diese religiösen Aufführungen, die sich an Vorbilder wie etwa im bayerischen Oberammergau orientierten, wurden unter Pfarrer Johann Sauer (1928-1966) von der Bevölkerung gestaltet und organisiert. Sie erlangten überregionale Bedeutung. Am Ende des Zweiten Weltkrieges war Großrußbach Frontgebiet. Trotz schwersten Beschusses zwischen 18. April und 8. Mai 1945 blieb die Pfarrkirche unversehrt. Umso bedauerlicher war es dann, als ein Kirchenbrand am 15. April 1947 schwerste Schäden anrichtete. Das mit Holzschindeln gedeckte Kirchendach und der Dachstuhl fingen Feuer. Die Holzdecke im Mittelschiff stürzte ein und zerstörte die gesamte Kirchenbestuhlung. Die letzte große Kirchenrenovierung wurde zwischen 1978 und 1983 unter Pfarrer Anton Waninger (1978-1992) durchgeführt.

(Mag. Georg Henschling, ehem. Pfr. von GR)


Druckansicht



Zurück

 
Tipps
Pfarre Karnabrunn
Wochenzettel heute
BH Anzeiger
Pfarrblatt der Pfarre GR
Newsletter bestellen